Projekte

Das WAAGE-INSTITUT informiert Sie hier über verschiedene Projekte, Engagements und Veranstaltungen. Sie erhalten einen Eindruck von der Vielfalt der Arbeitsbereiche.

Portugal

Seit November 2007 bildet das Waage-Institut in Zusammenarbeit mit der Opferhilfe-Organisation APAV (Apoio à Vitima) und dem European Forum for Restorative Justice in Lissabon und Porto Mediatorinnen und Mediatoren aus.
Bislang gab es in Portugal keinen Täter-Opfer-Ausgleich. Eine Gesetzesänderung schuf im letzten Jahr die Grundlage und Voraussetzung für dessen Einführung.
Die Teilnehmer der insgesamt 180 Stunden umfassenden Schulung fungieren als Pioniere und sollen die praktische Umsetzung der Mediation in Strafverfahren modellhaft erproben. Zunächst wurden 50 Personen (Rechtsanwälte, Psychologen, Sozialarbeiter) trainiert. Bei Bedarf sollen 50 weitere folgen.
Die Ergebnisse des Projekts werden erforscht.
Für die Vermittlung rechtlicher und theoretischer Grundlagen wurden renommierte Ausbilder aus Portugal, Österreich und Belgien engagiert. Den Auftrag für die Bereiche Methoden, Erfahrungen und „Handwerkszeug“ sowie für das praktische Training der angehenden Mediatoren erhielt das Waage-Institut.

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Bürgerschaftliches Engagement und Mediation

Ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei dem Verein Waage Hannover e.V.:
Die Waage Hannover führt seit 17 Jahren im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover den Täter-Opfer-Ausgleich für erwachsene Straftäter und deren Opfer durch. Diese Form der Mediation ist ein Angebot der außergerichtlichen Einigung zwischen den an einer Straftat beteiligten Personen. Inzwischen sind zu den 4 hauptamtlichen Mitarbeitern 7 ehrenamtliche Mitarbeiter hinzu gekommen, die alle über eine umfangreiche Zusatzausbildung verfügen und basierend auf freiwilligem Engagement ein offenes, gemeinnütziges Mediationsangebot für Bürgerinnen und Bürger vorhalten. Das heißt, Konfliktbeteiligte können sich direkt an die Waage wenden mit der Bitte um eine Vermittlung, ohne dass eine Strafanzeige erstattet worden ist.
Nähere Informationen zu diesem Projekt erhalten Sie unter folgender Adresse: www.waage-hannover.de bzw. fordern Sie den Zwischenbericht direkt bei der Waage Hannover an.

Eine friedliche Schule ohne Gewalt: Das ist das erklärte Ziel von Schülern und Lehrern an der IGS Kronsberg sowie der Freiherr-vom-Stein-Realschule und der Hauptschule Kronsberg in Bemerode. (Fotos: Kühn) (Stadtteilbeilage der HAZ vom 03.02.2005)

Schüler schlichten Streit ohne Gewalt

Schlagen, treten, bedrohen und „abzocken“ – auf vielen Schulhöfen ist die tägliche Gewalt längst traurige Wirklichkeit. Viele Schüler und Lehrer der Hauptschule Kronsberg und der Freiherr – vom – Stein – Realschule im Schulzentrum Bemerode sowie der IGS Kronsberg wollen dies nicht länger hinnehmen: Sie haben sich als so genannte Streitschlichter und Konfliktlotsen ausbilden lassen, um der Gewalt mit neuen Mitteln entgegen zu treten. „Schlichten statt Richten“ heißt das Programm, das die drei Schulen nach der Gründung des Arbeitskreises Soziales Lernen erstmals zu einem gemeinsamen Projekt zusammengeführt hat. Nach den 22 Lehrern und drei Sozialarbeitern haben jetzt die 28 Schüler-Konfliktlotsen offiziell ihr Zertifikat erhalten. Die nächste Generation wird nicht lange auf sich warten lassen: Derzeit werden die ersten Grundschüler ausgebildet.

An der IGS mit ihren 400 Schülern haben sich insgesamt 17 Schüler – davon 10 Mädchen – als Streitschlichter ausbilden lassen. „Ich will meinen Mitschülern helfen, denn viele wollen nicht zum Lehrer gehen, um nicht als Petze zu gelten“, erklärt die 14-Jährige Sina Hermann ihr Engagement, Im Kreise von Mitschülern traue man sich dagegen mehr zu sagen. Michaela Lau will ebenfalls einfach zu einem guten Klima an der IGS beitragen: „Es gibt viel Gewalt, von denen die Lehrer nichts mitbekommen.“ Angst, selbst in einen Streit hineingezogen zu werden, hat die 14-jährige nicht: „Wir schlichten ja immer zu zweit.“

Auch SertacBilgi geht die Gewalt gegen den Strich. „Immer mehr kleinere Kinder schlagen sich ohne nachzudenken und wollen sich etwas beweisen“, hat der junge kurdischstämmige Hauptschüler festgestellt. Sertac ist einer von elf Konfliktlotsen – vier Mädchen und sieben Jungen -, die an der Hauptschule Kronsberg und in der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bemerode mit ihren insgesamt 525 Schülern „Dienst tun“. In jeder großen Pause stehen sie in einem eigenen Raum als Ansprechpartner zur Verfügung. Unterstützt werden sie von der schulinternen Sozialarbeiterin des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM), Sabine Simbeck, die auch Schüler ausgebildet hat. Sertac hat bereits einen weiteren Nutzen aus seiner halbjährigen Ausbildung gezogen: Privat habe er auch schon Freunden bei Streitigkeiten helfen können, sagt der 15-Jährige stolz.

Wichtig finden viele Schüler, dass die Hemmschwelle, jemanden um Hilfe zu bitten, bei dem neuen Projekt viel niedriger als bei anderen Angeboten sei. „Ein Schüler geht bei Stress eher zu anderen Schülern, denn wir reden die gleiche Sprache“, sagt die 14-jährige Hauptschülerin Patrizia Michaltschenko. „Die Lehrer rufen eher die Eltern an, aber wir sagen nichts“, fügt der ein Jahr ältere Alexis Kelsch aus der  Freiherr-vom –Stein-Realschule hinzu. Dass sich die Schüler jetzt untereinander und mit neuen Mitteln mit Problemen auseinandersetzen können, gefällt auch der IGS-Lehrerin Susanne Männecke, die sich vom Waage-Institut zur Streitschlichterin ausbilden ließ. „Hier helfen unparteiische Mitschüler, eine Lösung zu finden, und nicht Eltern oder Lehrer.“ Am Ende der Streitschlichtung soll ein „gerechter Frieden“ stehen – und der muss per Handschlag auch offiziell und sichtbar in Anwesenheit der Konfliktlotsen besiegelt werden (siehe Fotos oben).

Franziska Bernatzky aus der IGS schätzt auch noch einen anderen Aspekt an ihrem Job als Konfliktlotsin. „Die Ausbildung macht sich gut in Bewerbungsschreiben, und vielleicht kann man sie später auch im Beruf nutzen“, spekuliert die Zwölfjährige.

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